Die meisten geraden Wege, und das fällt mir auf, sind von uns Menschen gemacht. Der direkte Weg von einem A zu einem B gilt als effektiv; Geradlinigkeit als eine Stärke.

Vor Monaten lag ich einmal in einem abgedunkelten Raum. Neben mir andere Menschen und eine Stimme, die uns aufforderte zurückzugehen; die Stationen und Momente zu durchwandern, die uns zu dem gemacht haben, wer wir sind und was wir tun. Was zuerst ein ulkiges Spiel zu sein schien, hat mich dann doch beschäftigt.

Der gerade Weg, eben nicht nur auf der Landkarte, sondern auch im Leben, eine Idealvorstellung, vielleicht auch ein Fetisch.

 

Julia Brunner kam über Umwege zum Medium Radio, dem Spielfeld Ton im Allgemeinen und zum Geschichtenerzählen. Heute lebt sie in Berlin als freischaffende Geschichtenerzählerin und erzählt, auch gemeinsam mit anderen Menschen, Geschichten in Bild und Ton. Ihr Repertoire ist breit gefächert und reicht von Radiobeiträgen über Klangkunststücken, Soundinstallationen bis hin zu Portraits, Reportagen und experimentellen Filmen. Ihr thematischer Bezugspunkt ist das Spannungsfeld des urbane Raums, mit seinen Wegen, Räumen, Grenzen und Brüchen, und dem mentalen Raum mit seinen Erinnerungen, Gedanken und Träumen, sowie der Frage nach neuen Form des Ausdrucks und Sprechens. Seit 2014 ist sie im Kunst- und Projektraum Kotti-Shop (Berlin, Kreuzberg) verortet. Sie ist außerdem Mitbegründerin des Kunstlabors SuperFuture, dass das Spannungsfeld Raum - Gesellschaft - Psychologie mit künstlerischen Methoden experimentell untersucht.